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16.09.2020, 17:22 Uhr
Ermittler nehmen mutmaßlichen Brandstifter fest Polizei sagt Kriminalität in Dudweiler den Kampf an
Bericht Saarbrücker Zeitung Von Marcus Kalmes
Die Feuerwehr Dudweiler rettete bei der 19. Brandstiftung in der Fischbachstraße eine Frau und zwei Kinder mit der Drehleiter aus dem Hochhaus.  
Exklusiv Dudweiler: Die Serie der Brandstiftungen in der Fischbachstraße könnte aufgeklärt sein, das Kriminalitätsproblem im Saarbrücker Stadtbezirk bleibt.
Die Polizei hat nach einer erneuten Brandstiftung am Montagabend in Dudweiler einen 69 Jahre alten Mann festgenommen. Er kommt nach Angaben der Ermittler für zahlreiche Brände in der Dudweiler Fischbachstraße in Frage. Die Serie von nun 19 Brandstiftungen in den Obdachlosen-Unterkünften binnen knapp zwölf Monaten hält den Saarbrücker Stadtbezirk in Atem (wir berichteten). Die Stimmung rund um den sozialen Brennpunkt in der Fischbachstraße 5a und 5b, in dem es auch mehr als 100 Polizei-Einsätze gab, ist so brisant, dass Saarbrückens Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) und Sozialdezernent Tobias Raab (FDP) am Montag zum Einsatzort eilten.
 
Gegen 18.30 Uhr hatte ein Brandstifter in einem der beiden städtischen Hochhäuser in der Fischbachstraße Feuer gelegt. Im Flur von Gebäude 5a wurde Müll angezündet. Die Freiwillige Feuerwehr Dudweiler rettete sechs Personen aus dem verqualmten Gebäude – darunter mehrere Kinder. Ersten Ermittlungen zufolge ergab sich ein Tatverdacht gegen den 69-Jährigen, der in dem Haus wohnt. Die Feuerwehr musste ihn retten. Der Mann hatte Rauchgase eingeatmet und wurde in eine Klinik gebracht.
 
Die Polizei nahm den mutmaßlichen Brandstifter vorläufig fest. Er befand sich gestern im Krankenhaus, wo ihn Polizisten bewachten. Der Tatverdächtige wurde dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Die Staatsanwaltschaft stellte Antrag auf Erlass eines Haftbefehls. Der Haftbefehl erging noch gestern.
 
Freiwillige Feuerwehr Dudweiler rettet sechs Personen
 19 BilderErneute Brandstiftung in der FischbachstraßeFoto: Feuerwehr Dudweiler
Stadtpressesprecher Thomas Blug erklärte: „Die Verwaltung ist sich der schwierigen Situation in der Fischbachstraße bewusst. Uwe Conradt hat sich unmittelbar nach dem jüngsten Brand selbst ein Bild vor Ort gemacht. Einer der Bewohner wurde durch den Alarm der Rauchmelder, die nach dem vorherigen Brand installiert wurden, auf das Feuer aufmerksam und konnte es löschen. Die Feuerwehr war schnell vor Ort und hat die Situation schnell in den Griff bekommen. In Abstimmung mit Uwe Conradt wird Tobias Raab einen kontinuierlichen Austausch zwischen den Institutionen der Sozialarbeit im Stadtteil, der Polizei und der Landeshauptstadt aufbauen, um gemeinsam Ansätze zu entwickeln, wie die Situation vor Ort verbessert werden kann. Klar ist aber auch, dass die Landeshauptstadt auch künftig Angebote für Menschen in allen Lebenslagen schaffen muss.“
 
Die Fischbachstraße ist nur einer der Brennpunkte in Dudweiler. Der Saarbrücker Zeitung liegen Informationen vor, wonach die Polizei sich verstärkt auf Dudweiler konzentriert und ein Maßnahmen-Konzept erarbeitet. Der Grund: Die Kriminalitätsraten schießen nach oben. Markus Müller, der Leiter der für Dudweiler, Sulzbach, Quierschied und Friedrichsthal zuständigen Polizei-Inspektion (PI) Sulzbach, bestätigt auf SZ-Anfrage: „Dudweiler ist im Moment der Schwerpunkt unserer polizeilichen Arbeit.“
 
Marcus Kalmes
 
Während die Kriminalitätsraten in Sulzbach, Quierschied und Fischbach der Polizei wenig Kopfzerbrechen bereiten, will sie – auch im Austausch mit anderen Dienststellen – in Dudweiler mehr Präsenz zeigen. Zahlen erklären, warum sie den knapp 27 000 Einwohner zählenden Stadtbezirk Dudweiler, zu dem Jägersfreude, Herrensohr und Scheidt gehören, ins Visier nimmt.
 
Im Jahr 2020 gab es bereits drei Tötungsdelikte. Seit 2010 waren es insgesamt 13. Markant sind in Dudweiler neben Drogendelikten auch sogenannte Rohheitsdelikte wie Raub, Körperverletzung und Straftaten gegen die persönliche Freiheit. Allein in Dudweiler-Mitte mit der Fußgängerzone, dem Alten Markt, dem Dudo-Platz und dem Anger stiegen die Fallzahlen von 2017 bis 2019 von 116 über 140 auf 149. Die Zahlen der Rohheitsdelikte sind mit denen vom St. Johanner Markt in der Saarbrücker City vergleichbar. Dort stiegen sie von 2017 bis 2019 von 122 über 152 auf 154.
 
ber: Während der St. Johanner Markt das pulsierende Herz von Saarbrücken ist und täglich von Zehntausenden Menschen frequentiert wird, sind in Dudweiler-Mitte um ein Vielfaches weniger Leute unterwegs. Im Klartext: weniger Menschen, mehr Kriminalität. PI-Leiter Markus Müller bestätigt: „Die Kriminalitätslage rund um den Dudweiler Markt mit den steigenden Zahlen ist auffällig.“
 
 Die Kriminalität am Dudweiler Markt und im Anger (hinten rechts) steigt seit Jahren. Deshalb legt die Polizei ihr Augenmerk auf das Gebiet.  
Die Kriminalität am Dudweiler Markt und im Anger (hinten rechts) steigt seit Jahren. Deshalb legt die Polizei ihr Augenmerk auf das Gebiet. Foto: BeckerBredel
In der saarländischen Kriminalitätsstatistik 2019, die unter den Kommunen enorme Unterschiede aufweist, liegt die Landeshauptstadt auf dem Spitzenplatz. Das ist wenig überraschend, weil Saarbrücken die größte Stadt und Anziehungspunkt für Menschen aus dem Umland ist – Stichworte Drogen, Prostitution, Obdachlose. Aber: „Dudweiler wäre auf Platz acht dieser Statistik“, hatte Müller bei deren Vorstellung erklärt. 1841 Straftaten werden für 2019 in der Kriminalitätsstatistik für Dudweiler gelistet (SZ vom 16. Juli). Dabei sticht der Anstieg der Diebstähle ins Auge: ein Plus von 108 Prozent.
 
 
Das Augenmerk der Polizei liegt auch auf Einbrüchen und dem Drogenproblem. Sie hat insbesondere die Entwicklung im Umfeld „besonders schutzwürdiger Einrichtungen“ wie Schulen im Blick. Hier soll ein Konzept entwickelt werden, um den Anstieg der Kriminalität zu verhindern. „Mit den Schulleitungen sind wir schon im ständigen Austausch“, erklärt Müller. Weitere Problemfelder: die Tuning-Szene („Auto-Poser“), Verkehrssicherheit, Probleme wegen einiger zugezogener Großfamilien, illegale Nutzung von Kfz-Nummernschildern an verschiedenen Autos, Vermüllung oder Diebstahl aus Kleidercontainern.
 
Oberbürgermeister Conradt verweist darauf, dass private oder öffentliche Projekte geplant sind, „die Dudweiler aufwerten werden. Hierzu zählt das Projekt ,Wohnen am Anger’. Der private Investor will vier Gebäude mit 109 Wohnungen bauen und 22 Millionen Euro in den Stadtteil investieren. 24 Millionen umfasst das private Projekt ,Rathausblock’, ein großflächiger Bau in der Sulzbachtalstraße mit Einkaufsmarkt, Wohnungen und Durchgang zur Fußgängerzone. Desweiteren plant die Stadt, die Fußgängerzone aufzuwerten und neu zu gestalten.“ Investitionen in den Stadtteil und dessen Belebung seien die besten Instrumente, „um negativen Entwicklungen entgegenzuwirken“.
 
 
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