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23.10.2017, 16:52 Uhr
Annegret Kramp-Karrenbauer -- Ist sie Merkels erste Wahl?
Bericht Saarbrücker-Zeitung von Daniel Kirch
Saarbrücken. Annegret Kramp-Karrenbauer gilt als Anwärterin auf höchste Ämter in Berlin. In Saarbrücken und Berlin wird heftig spekuliert. 
Wenn sie zusammenkommen, ist die gegenseitige Sympathie kaum zu übersehen. Angela Merkel, so viel wird man sagen können, hält große Stücke auf Annegret Kramp-Karrenbauer. Angeblich hat sie die saarländische Ministerpräsidentin sogar als ihre Nachfolgerin auserkoren. In den Medien und in der CDU wird darüber spekuliert.

Die Zeit läuft. In spätestens vier Jahren wird Angela Merkel (63) Geschichte sein. Wenn die Kanzlerin einen geordneten Übergang will, wird sie im Laufe der Legislaturperiode den CDU-Vorsitz an einen Nachfolger abgeben müssen, vielleicht sogar gleich auch das Kanzleramt. Bloß an wen?


Seit einiger Zeit, genauer gesagt seit dem 25. Juni 2014, fällt immer häufiger der Name von Annegret Kramp-Karrenbauer (55). An jenem Mittwoch berichtete der „Cicero“, ein konservatives Politmagazin: „Kramp-Karrenbauer ist derzeit Merkels Nummer eins.“ Die Autoren beriefen sich auf Merkel-nahe Quellen. Die Kanzlerin lernte Kramp-Karrenbauers Qualitäten demnach bei den Koalitionsverhandlungen 2013 schätzen. Dort sei „AKK“ immer wieder durch Ruhe und Entspanntheit aufgefallen.

„Stern“-Kolumnist Hans-Ulrich Jörges legte sich kurz vor der Bundestagswahl im September fest: Kramp-Karrenbauer sei „Merkels Kronprinzessin für Parteivorsitz und Kanzleramt“. Von CDU-Spitzenleuten will Jörges erfahren haben, dass Merkel den CDU-Vorsitz bereits 2018 an Kramp-Karrenbauer abgeben wird und die Saarländerin vor 2021 auch Kanzlerin werden soll. Die linke „taz“ nennt sie die „stille Reserve der Kanzlerin“.

Ihr Name fiel bereits in der Diskussion um die Nachfolge Joachim Gaucks als Bundespräsident, wie Robin Alexander, ..................
„Welt“-Chefreporter mit besten Kontakten in die Union und ins Kanzleramt, der SZ bestätigt. Von der Überlegung habe man aber Abstand genommen, weil man sich in der CDU gesagt habe: „Wenn jemand das Saarland verteidigen kann, dann sie.“ Jetzt fällt ihr Name wieder, wenn es um die Besetzung des Bundeskabinetts geht. In Kramp-Karrenbauers Ministerriege wird gerätselt, ob sie sich bald an einen neuen Regierungschef gewöhnen müssen. Führenden Koalitionären im Land ist nicht verborgen geblieben, dass Kramp-Karrenbauer im Bundestagswahlkampf zahlreiche Auftritte in der ganzen Republik absolviert hat. „Das hätte sie nicht gemacht, wenn es nicht für etwas gut gewesen wäre“, mutmaßt einer.

Kramp-Karrenbauer selbst hat Raum für Spekulationen gelassen, als sie jüngst in einem SR-Interview einerseits sagte, sie strebe kein neues Amt auf Bundesebene an, andererseits aber auch nichts ausschloss: „Ich habe in meinem Leben gelernt, dass es überhaupt nichts nützt, ob ich etwas ausschließe oder nicht, weil Dinge sich oft anders entwickeln, als man dies selber plant.“ Einer Bitte Merkels würde sich Kramp-Karrenbauer kaum verschließen können. „Wenn sie Nein sagt, ist sie raus aus dem Spiel“, heißt es in Berlin. Dann werde sie in ein paar Jahren niemand mehr fragen.


Die Entscheidung, wer in Berlin ins Bundeskabinett aufrückt, wird erst ganz am Ende der Verhandlungen von Union, FDP und Grünen fallen. Ein Ministeramt für Kramp-Karrenbauer wäre allenfalls denkbar, wenn Kanzleramtsminister Peter Altmaier nicht mehr zum Zuge kommt, denn zwei Kabinettsmitglieder der Union aus dem kleinen Saarland sind ex­trem unwahrscheinlich. Eine elegante Lösung dieses Proporz-Problems könnte sein, dass Altmaier von Angela Merkel als EU-Kommissar nach Brüssel geschickt wird. Interesse an diesem Job wird dem polyglotten ehemaligen EU-Beamten seit Jahren nachgesagt.

Staatskanzlei und Saar-CDU schweigen, wenn es um mögliche Ambitionen in Berlin geht. Die Bundespolitik ist härter als die Landespolitik, man steht unter ständiger Beobachtung, auch als Privatperson. Das aber war bisher nie Kramp-Karrenbauers Sache. Es gibt auch andere Überlegungen, die eher gegen einen Wechsel sprechen: Kramp-Karrenbauer dürfte ein Interesse haben, die Früchte des neuen Länderfinanzausgleichs zu ernten, denn ab 2020 kann das Land wieder mehr Geld ausgeben für Schulen, Hochschulen, Straßen und so weiter. Und stünde die CDU im Saarland dann nicht vor dem Problem, in absehbarer Zeit einen Nachfolger für die populäre Regierungschefin präsentieren zu müssen?

Finanzminister Stephan Toscani (50) wird in der Partei zwar als seriöser Kassenwart geschätzt, aber er hat nicht ansatzweise die Beliebtheitswerte der Püttlingerin. Das gleiche gilt für Fraktionschef Tobias Hans (39) und Landtagspräsident Klaus Meiser (63), die vereinzelt ebenfalls als mögliche Nachfolger genannt werden.

Fürs Kanzleramt aber wären wohl Bedenken in der Jamaika-Koalition, falls die denn überhaupt kommt, aus dem Weg zu räumen. „Kramp-Karrenbauer hat schon einmal eine Jamaika-Koalition bewusst platzen lassen. Das hat man in der FDP nicht vergessen“, sagt der „Welt“-Chefreporter Alexander. Die Saarländerin als Kanzlerin einer Jamaika-Koalition? „Das wäre eine sehr große Überraschung.“

Andererseits: Kramp-Karrenbauer steht auf Landesebene vermutlich auf dem Höhepunkt ihres Ansehens. Ihr spektakulärer Wahlsieg vom 26. März 2017 wird sich 2022 kaum wiederholen lassen. Was sollte da im Saarland noch kommen?
Jens Spahn gilt den Konservativen in der CDU als Hoffnungsträger, allerdings nur den Konservativen.

Wer nach dem Ausschlussverfahren vorgeht, wird schnell merken, dass der Kreis derer in der CDU, die für die Merkel-Nachfolge infrage kommen, nicht allzu groß ist. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (63) schwächelt seit Jahren, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (59) ist in der CDU unbeliebt. Die übrigen Ministerpräsidenten der CDU sind entweder noch zu jung (Daniel Günther), zu frisch im Amt (Armin Laschet) oder außerhalb ihres Landes nicht vermittelbar (Volker Bouffier).

Es gibt unter ihnen keinen, der zweimal in Folge eine Wahl überzeugend gewonnen hat. Kramp-Karrenbauer sagte jüngst, die CDU müsse als Volkspartei die „40 vor Augen haben“. Was sie nicht sagte: Den Anspruch, über 40 Prozent zu kommen, erfüllt in ihrer Partei derzeit nur sie selbst.

Mit ihrem sozialpolitischen Profil würde Kramp-Karrenbauer zum Zeitgeist, wie er gerade in der CDU herrscht, wohl besser passen als ein konservativer Wirtschaftsliberaler wie Jens Spahn (37). Kramp-Karrenbauer hat die Flüchtlingspolitik Angela Merkels unterstützt, aber eine zweite Merkel, wie immer wieder behauptet wird, ist sie nach Ansicht von „Welt“-Journalist Alexander trotzdem nicht: Mit ihrem konservativen Innenminister Klaus Bouillon und mit dem Präventiv-Auftrittsverbot türkischer Politiker im Saarland habe sie die rechte Flanke geschlossen – ganz anders als Merkel. Und dass sie die „Ehe für alle“ ablehnt, hat ihr bei liberalen Wählern zwar geschadet, bei den mehrheitlich konservativen CDU-Funktionären und nicht zuletzt bei der CSU aber Punkte eingebracht.

Kramp-Karrenbauers innerparteiliche Position lässt sich auch daran ablesen, dass sie bei den Wahlen des CDU-Präsidiums stets mit die besten Ergebnisse erzielte. „Sie ist innerparteilich hoch angesehen“, sagt auch Alexander, „sehr hoch sogar.“ Dass sie Anfang 2012 gegen Merkels Rat die Jamaika-Koalition im Saarland platzen ließ, wurde ihr als Ausweis von Führungsstärke angerechnet. „Wer Kanzler werden will, muss notfalls bereit sein, blankzuziehen“, zitierte der „Focus“ das engere Merkel-Umfeld.

Vor wenigen Tagen feierte die Junge Union sie bei ihrem Deutschlandtag in Dresden. Der sonst immer etwas kritische Parteinachwuchs untermalte ihren Auftritt im Internet mit dem Lied „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ist in der CDU zu unb
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